03 – Rektale Amnesie

Ok, ich wollte heute ja eigentlich mal einen Song von mir online stellen. Geht nicht, ich habe einfach kein vernünftiges Studio. Ich habe einen Laptop und ein altes Plastikmikrofon und das möchte ich wirklich niemanden antun, klingt wirklich als könne ich nicht rappen, was aber halt an der Qualität der Aufnahme liegt. Doch wenn man bedenkt, dass alle nur noch Musik via Handylautsprecher hören, lohnt sich da der Aufwand? Egal, trotzdem. Bevor ich also richtig durchstarte, werde ich meine kleine Abstellkammer umbauen müssen. Viel benötigt man ja nun nicht, die Wand mit einigen Eierpappen verkleiden sowie Kondensatormikrofon, Mikroständer, Kabel und Laptop (den habe ich ja). Somit habe ich dann angenehme 2 qm Abstellkammer die als Vocalkabine dienen sollten.

Ich muss also nun irgendwie an Geld kommen. Ich habe gelesen, dass man mit Blogs schreiben Geld verdienen kann. Das habe ich in einem Blog gelesen (Link zum Blog), der mit meinem Klick also auch ganz einfach Geld verdient. Da ich ja Verfasser eines Blogs bin, ist das die perfekte Lösung. Jedoch trübt sich die Zuversicht je weiter ich den angesprochenen Blog lese. Man benötigt mindestens 1000 Leser pro Tag, damit sich das auch nur ein wenig rechnet. Momentan habe ich 6 Views am Tag, 2 davon sind von mir und ein zusätzlichen View bekomme ich von einem Kollegen, der meine Statistik etwas aufwerten möchte. Fällt also, aus das Ganze. In meiner „Inbox“ meines Mailpostfaches fand ich dann aber folgende Mail:

Werden Sie noch Heute Medikamententester! Je nach Länge der Studie und Medikamentenart, können Sie bis zu 100 € oder sogar 200 € am Tag als Medikamententester verdienen […] warten Sie nicht […] greifen Sie zu […] Superpille […] übermenschliche Fähigkeiten […] Ihr Land braucht Sie […]

Hört sich erstmal verlockend an. Was soll da schon passieren, sind ja überall Ärzte um einen rum, die werden einem dann schon unter die Arme helfen, sollte irgendwas sein. Schnell wurde ich im Internet auch fündig und machte entsprechend einen Termin aus. Ich hatte nun wahrlich keine Ahnung, wie ich mich vorbereiten sollte, es ist ja quasi ein Bewerbungsgespräch. Also den feinsten Anzug an, Lebenslauf aufpoliert und ausgedruckt und dann mit gekämmten Haaren aus der Haustür.

Im Vorgespräch wurde meine Vergangenheit durchleuchtet, medizinisch gesehen. Ob ich rauche, ob ich trinke oder ob ich andere Medikamente zu mir nehme. Natürlich habe ich alles verneint, selbstverständlich. Nun kam auch die Frage, ob ich Beschwerden habe, die meiner Meinung nach behandelt werden müssten.

„Ich hätte gerne etwas gegen rektale Amnesie.“

„Rektale Amnesie?“, fragte die blonde Ärztin mit hochgezogenen Augenbrauen.

„Ja, ich würde gerne nicht mehr vergessen auf alles zu scheißen! Ständig mache ich mir zu allem einen Kopf, bin dauernd unter Strom, nehme mir alles zu Herzen. Dagegen hätte ich gerne etwas.“

„Mhmm, da habe ich eine passende Studie für sie. Sie müssen 3 Tage stationär und 2 Tage ambulant betreut werden. Sie verdienen damit 1325 Euro. Das Medikament ist ein neues Benzodiazepin-Präparat, welches angstlösend, hypnotisch und relaxend wirkt, Ihnen wird dann alles egal sein.“

„Super, machen wir so! Wir beginnen sofort“, sage ich.

6 Tage später

Ich erinnere me nur noch a little an die last Tage. Irgendwie have ich mit a Hasen gesprochen, Big Hase. Mir goes es soweit too ganz gut. I habe keine bigger Nebenwirkungen zu feel bekommen. Ich make mir auch not mehr zu everything so einen head. Auf jeden anyway kann ich me nun mein studio kaufen. Ein job für die future. Irgendwie habe I aber auch kein money mehr. Dafür lay hier überall pizzaboxes und kleine bags mit grünem gras rum. Viele bottles und ich have einen neuen TV! Aber ist similar. mir ist everthing egal. Mir goes es gut and das ist cool. Ich werde now rappen, egal how es klingt. shit drauf!

Es grüßt

Mick Elodeon

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