Was IProtest? Wann hat man schon Zeit um zu protestieren? Also wirklich zu protestieren? Nicht das, ich beschwere mich über jede Kleinigkeit und die Welt-ist-schlecht-Gerede. Richtig protestieren. Raus auf die Straße, dahin wo man einen sieht! Aber Montagsdemos finden ja jeden Montag statt, kann man dann ja auch um eine Woche verschieben. Das Wetter soll ja auch mitspielen, wenn man schon mal für seine Werte eintreten will. Es sind ja auch immer genug andere vor Ort, auf den einen oder anderen kommt es ja nicht an. Nächsten Montag reicht voll aus. Wobei Montag ist auch eigentlich schlecht, muss ich arbeiten, muss ja Geld verdienen. Geht also auch nicht. Ein wenig Zeit für einen selbst sollte schon drin sein. Man findet immer eine Ausrede. Aber Zeit und Geld scheinen auch wirklich zwei elementare Gegensätze zu sein. Ein wenig mehr Zeit und man könnte auch mal raus auf die Straße. Oder ein wenig mehr Geld und wir könnten auch mal was spenden oder uns sogar Zeit erkaufen um auf die Straße zu gehen. Oder noch besser, wir treten für eine Sache ein und sammeln dabei Spenden … na wir wollen mal nicht übertreiben … richtig?

Aber mal folgende Idee:

Meines Erachtens nach, gibt es zwei, nein drei Kategorien von Autofahrern, warum Autofahrer? Wirst du gleich sehen. Zum einen die Raser, die so schnell wie Möglich von Punkt A zu Punkt B kommen möchten, koste es was es wolle. Dann gibt es aber noch die sparsamen Fahrer, die nie schneller als 120 km/h fahren, da bei 120 km/h der Verbrauch mit Bezug auf die Geschwindigkeit am günstigsten ist, sagt man. Und es gibt die Wechselfahrer, die mal sparen, um dann wieder rasen zu können.

Mir stellt sich da die Frage, wie viel Geld einem die Zeit wert ist. Gehen wir davon aus, dass beide Testpersonen einen Ford Fiesta 2.5 fahren. Ein Raser fährt mit 170 km/h (laut Autobild schafft er nur 168 km/h), der einfach halber, eine Strecke von 100 Kilometer, folglich braucht er 35 Minuten für diese Distanz. Ein sparsamer Fahrer fährt, 120 km/h und benötigt 50 Minuten für diese Strecke. Somit ist unser kleiner Schumacher 15 Minuten früher am Ziel. Bei einem Durchschnittspreis von 1,51 €/l E10 Benzin, einem durchschnittlichen Verbrauch von 14,2 Litern auf 100 Kilometer bei dem Raser und 6,6 Litern auf 100 Kilometern bei dem Sparer (wieder laut Autobild) haben wir folgende Kostenaufstellung:

Raser (168 km/h): 14,2 Liter Verbrauch auf 100 km * 1,51 €/l = 21,44 €

Sparer (120 km/h): 6,6 Liter Verbrauch auf 100 km * 1,51 €/l = 9,97 €

Somit spart unser sparsamer Fahrer 11,72 €, ergo kosten 15 Minuten (die er langsamer ist) seines Lebens genau die 11,72 €. Wenn man das nun hochrechnet für einen Berufspendler, der einen Anfahrtsweg von 50 Kilometer hat (100 Kilometer hin und zurück summiert), bekommen wir auf das Jahr gerechnet folgendes:

Durchschnittlich 230 Arbeitstage im Jahr * 11,72 € = 2695,60 €

Ziehen wir fairerweise mal den Urlaub (im Durchschnitt 25 Tage) und Krankheit ca. 5 Arbeitstage im Jahr ab, kommen wir auf folgendes Ergebnis:

200 Arbeitstage * 11,72 € = 2344,00 €

2344,00 € Ersparnis gegenüber dem Raser, der grad mal 50 Stunden (200 * 0,25 h) mehr Zeit zu Hause hat. Bei einer Arbeitswoche von 40 Stunden plus Zeit für Anfahrtsweg 2 Stunden und 55 Minuten (5 * 35 Minuten) hat unser flinker Kollege mehr als eine ganze Arbeitswoche zusätzlich frei. Es ist klar, dass hier nicht alle Eventualitäten mit in Betracht gezogen werden, Faktoren wie Ampeln, Anfahrt und Bremsweg, sowie Stau etc. werden hier fahrlässig vernachlässigt, aber da fragt man sich doch trotzdem, wer wohl besser dran ist.

Ok, wir bringen die ganze Geschichte mal auf die Spitze! Bei circa 45 Arbeitsjahren hat unser langsamer Freund immerhin 105.480,00 € gespart (eine schöne Anzahlung für ein Eigenheim), wobei unser kleiner Verschwender 2250 Stunden seiner Zeit für sich zur Verfügung hat, wenn er bis dahin trotz seiner Fahrweise überlebt. Immerhin sind das 93,75 Tage (13,4 Wochen). Also Geld oder Leben?

Ist Zeit also käuflich? Ist Zeit eine Erfindung des Kapitalsimus? Ist der Kapitalismus schuld, das wir nicht auf die Straße gehen, weil wir uns dann nicht leisten können?

Ich habe Zeit, ich arbeite nicht. Wer gibt mir Geld für meine Zeit?

Es grüßt

Mick Elodeon

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