02 – Was ist heute noch die Zeit wert?

Eigentlich wollte ich ja meinen Text für den Track IProtest weiterschreiben, bzw. überhaupt mal richtig anfangen, jedoch fehlt mir leider einfach die Zeit. Man hat heutzutage so unendlich viele Dinge zu tun, dass man für die wichtigen Sachen im Leben keine Zeit mehr findet. Wer wäscht meine Kleidung, wenn ich essen muss? Wer saugt das Wohnzimmer, wenn ich mich mittags noch mal hinlegen muss? Wer gibt der ständig miauenden Katze mal was zu Fressen, wenn ich doch andauernd meine Apps auf meinem Handy updaten muss?

Es ist fakt, dass wir es nicht schaffen werden, dem Tag noch ein oder zwei Stunden unterzujubeln. Es muss andere Möglichkeiten geben, sich Zeit zu verschaffen. Lässt sich Zeit kaufen? Heutzutage lässt sich alles kaufen. Geld regiert die Welt, auch die Zeit?

Folgende Idee:

Meines Erachtens nach, gibt es zwei, nein drei Kategorien von Autofahrern. Zum einen die Raser, die so schnell wie Möglich von Punkt A zu Punkt B kommen möchten, koste es was es wolle. Dann gibt es aber noch die sparsamen Fahrer, die nie schneller als 120 km/h fahren, da bei 120 km/h der Verbrauch mit Bezug auf die Geschwindigkeit am günstigsten ist, sagt man. Und es gibt die Wechselfahrer, die mal sparen, um dann wieder rasen zu können.

Mir stellt sich da die Frage, wie viel Geld einem die Zeit wert ist. Gehen wir davon aus, dass beide Testpersonen einen Ford Fiesta 2.5 fahren. Ein Raser fährt mit 170 km/h (laut Autobild schafft er nur 168 km/h), der einfach halber, eine Strecke von 100 Kilometer, folglich braucht er 35 Minuten für diese Distanz. Ein sparsamer Fahrer fährt, 120 km/h und benötigt 50 Minuten für diese Strecke. Somit ist unser kleiner Schumacher 15 Minuten früher am Ziel. Bei einem Durchschnittspreis von 1,51 €/l E10 Benzin, einem durchschnittlichen Verbrauch von 14,2 Litern auf 100 Kilometer bei dem Raser und 6,6 Litern auf 100 Kilometern bei dem Sparer (wieder laut Autobild) haben wir folgende Kostenaufstellung:

Raser (168 km/h): 14,2 Liter Verbrauch auf 100 km * 1,51 €/l = 21,44 €

Sparer (120 km/h): 6,6 Liter Verbrauch auf 100 km * 1,51 €/l = 9,97 €

Somit spart unser sparsamer Fahrer 11,72 €, ergo kosten 15 Minuten (die er langsamer ist) seines Lebens genau die 11,72 €. Wenn man das nun hochrechnet für einen Berufspendler, der einen Anfahrtsweg von 50 Kilometer hat (100 Kilometer hin und zurück summiert), bekommen wir auf das Jahr gerechnet folgendes:

Durchschnittlich 230 Arbeitstage im Jahr * 11,72 € = 2695,60 €

Ziehen wir fairerweise mal den Urlaub (im Durchschnitt 25 Tage) und Krankheit ca. 5 Arbeitstage im Jahr ab, kommen wir auf folgendes Ergebnis:

200 Arbeitstage * 11,72 € = 2344,00 €

2344,00 € Ersparnis gegenüber dem Raser, der grad mal 50 Stunden (200 * 0,25 h) mehr Zeit zu Hause hat. Bei einer Arbeitswoche von 40 Stunden plus Zeit für Anfahrtsweg 2 Stunden und 55 Minuten (5 * 35 Minuten) hat unser flinker Kollege mehr als eine ganze Arbeitswoche zusätzlich frei. Es ist klar, dass hier nicht alle Eventualitäten mit in Betracht gezogen werden, Faktoren wie Ampeln, Anfahrt und Bremsweg, sowie Stau etc. werden hier fahrlässig vernachlässigt, aber da fragt man sich doch trotzdem, wer wohl besser dran ist.

Ok, wir bringen die ganze Geschichte mal auf die Spitze! Bei circa 45 Arbeitsjahren hat unser langsamer Freund immerhin 105.480,00 € gespart (eine schöne Anzahlung für ein Eigenheim), wobei unser kleiner Verschwender 2250 Stunden seiner Zeit für sich zur Verfügung hat, wenn er bis dahin trotz seiner Fahrweise überlebt. Immerhin sind das 93,75 Tage (13,4 Wochen). Also Geld oder Leben?

Da ich eh keine Arbeit habe, fällt das für mich alles aus. Ich werde wohl einfach etwas weniger schlafen. Elf Stunden sollten reichen am Tag, die Umgewöhnung wird schwer, aber es ist machbar.

Mir fallen auch schon die ersten Zeilen für meinen dazugehörigen Text ein:

Lieber Haus und Hof, statt mausetot
lieber genießen als schnell für Zwischendurch wie mit Pausenbrot

Das wird ein Hammertrack, stelle ich das nächstes Mal online.

Es grüßt

Mick Elodeon

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