01 – IProtest

Ich will heute eigentlich endlich mal wieder einen Text schreiben, einen Raptext, einen 16er. Leider ist es mir momentan jedoch nicht möglich dies zu tun. Ich bin wirklich kurz davor, hab Stift gespitzt, Block gezückt und sitze nun wartend auf den Kuss der Muse bereitwillig da. Doch kommt nichts. Es war heute auch ein wirklich elendig langer Tag und um mich etwas zu entspannen, springe ich in mein Auto, um etwas durch die Gegend zu fahren.

Beim Tätigen der Zündung springt auch prompt mein Autoradio an, als will es mich begüßen und mir sagen „Wird Zeit mein Freund, wir müssen reden!“. Ohne groß zu zögern, schalte ich sofort auf Inforadio um. Es ist mittlerweile ein Reflex, ich kann all die anderen Radioformate nicht mehr hören, aber das gehört an eine andere Stelle.

Mit Hilfe dieser monotonen Stimme, der immer gleich klingenden Straße und den sich ständig wiederholenden Bildern des Straßenrandes schweife ich gedanklich wieder ab. Den letzten Satz, den ich von dem Moderator zu hören bekomme, bevor ich mich gar ganz verabschiede und auf Autopilot umstelle ist „In den vereinigten Staaten wurde das IPad innerhalb von 28 Tagen eine Million mal verkauft!“. Dieser Satz brennt sich umgehend in meine Gedanken ein und ich fange an darüber nachzudenken.

Dieser Erfolg war nicht abzusehen, aus diesem Grund musste der Start des Verkaufes in Deutschland verschoben werden, solch einen Hype brach aus. Schlimmer als beim IPhone.
Das IPad dient zum Lesen von beispielsweise Büchern und Zeitschriften in digitaler Form und ermöglicht den Zugriff auf das Internet sowie weitere kleinere und größere Spielereien. Doch wo führt uns das hin? Wir lesen Bücher nur noch digital? Zeitungen werden nicht gedruckt, sondern gedownloaded? Der Regenwald wird nicht mehr abgeholzt? Ernsthaft, wird es nur noch Bücherläden im Internet geben? Wo bleibt der Flair? Wie oft schaut man sich das Buch von oben an und ist stolz, dass sein Lesezeichen immer weiter gegen Ende rückt? Wie viel Spaß macht es, die Seite zu suchen, die man zuletzt gelesen hat, da man beim Lesen eingeschlafen ist und das Buch vom Bett fiel, und wenn man die Seite nach 15 Minuten endlich gefunden hat, wieder einschläft? Wie bitte, sollen die kleinen, süßen Kinder ihre Laubblätter pressen, wenn man Winni Poh Büchernur noch aus den Weiten des Internets ziehen kann? Womit soll ich angeben, wenn nicht mit den zahllosen Büchern in meinem Wohnzimmer, die ich noch nie gelesen habe, es aber keiner weiß, da ich die Bücher alle so lange auseinanderdrücke, bis der Buchrücken Gebrauchsspuren aufzeigt? Wie soll ich meiner Oma beibringen, dass ich ihr sonntags die Super Illu nur noch auf USB-Stick mitbringen kann? Wird IKEA ein Billyregal für E-Books auf den Markt bringen? Wer beantwortet mir die Fragen? Ob ich jemals aufhören kann, fragend zu schreiben? Unsere Gesellschaft verfällt immer mehr der digitalen Diktatur. Früher wurden Kinder auf Grund von schlechten Noten bestraft, in dem man ihnen Stubenarrest erteilte, heute wäre das ein Segen für die Kids. Wo wir schon beim Thema Kinder sind. Werden auch Schulranzen verschwinden und nur noch überdimensionale Socken für IPads gekauft? Flyer wird es auch nicht mehr lange geben, sie werden dir auf das digitale Lesegerät geschickt und somit fallen zahllose Studentenjobs dem Trend zum Opfer. Das Ende vom Lied wird sein, dass ein kleiner PC-Nerd, dem langweilig vom Terroristenabschießen ist, einen Virus erschaffen wird, der alle Bücher dieser Welt einfach löscht. Da kann keine Bücherverbrennung der Geschichte mithalten. Einen Klick und alles ist verschwunden. Wir stehen da, unfähig einen HP Multifunktionsdrucker zu bedienen und werden zweifellos verdummen. IPads werden nur noch als Wurfgeschosse für die Jagd nach Nahrung dienen und Chuck Norris wird Weltherrscher. Ein Szenario, welches nur ein Roland Emmerich visualisieren könnte, jedoch ohne Happy End.

Ich will mir keine Gedanken mehr über den Verfall der Gemütlichkeit, des Stils, gar des Respekts gegenüber alteingesessenen Medien machen. Somit stöpsel ich meinen IPod an mein Radio an, wähle eines der zahllosen ITunes-Alben, welche ich gestern online erworben habe, doch zum größten Teil eh nie hören werde und wische eine Träne unter meinem rechten Auge weg. Ich entscheide mich für Advanced Chemistry, kurble die Scheibe bei 134 km/h runter, strecke die linke Faust sowie meinen Kopf aus dem Fenster und schreie: „REVOLUTION! LASST DEM DIGITALISMUS KEINE CHANCE! SCHREIT MIT MIR ZUSAMMEN: IPROTEST, IPROTEST!“.

Ich muss da unbedingt einen Track draus machen und recorden … hat jemand einen Beat dafür? Egal, so bald ich zu Hause bin, werde ich gleich anfangen.

Es grüßt

Mick Elodeon

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